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Selleriebekanntschaft

 

Heute morgen traf ich in der Bahn zur Arbeit meine Selleriebekanntschaft wieder.

Wie? Ihr wisst nicht, was eine Selleriebekanntschaft ist? Das ist eigentlich eine ganz lustige Geschichte.

Es begab sich also zu der Zeit, dass es Samstagnachmittag war und die Frau K. nach der Arbeit und einem kurzen Aufenthalt in dem Wollladen ihres Vertrauens auf dem Weg nach Hause noch einen Abstecher in den Supermarkt machte. Die Frau K. wollte am Wochenende nämlich Lasagne kochen. Im Supermarkt sortierte sie erstmal im Kopf die Einkaufsliste: Rinderhack, Tomaten, Möhren, Staudensellerie, Milch, Käse. Und als sie dann in der Gemüseabteilung zwei schöne Möhren raussuchte, nahm sie im Augenwinkel wahr, dass ihr grad der letzte Staudensellerie vor der Nase weggeschnappt wurde. So ein Ärger aber auch. Aber die Frau K. wollte jetzt auch nicht wieder den Menüplan umschmeißen. Gab es halt Lasagne ohne Staudensellerie.

Und so wanderte sie weiter durch den Supermarkt zur Fleischtheke. Vor dem Hackfleisch traf sie ihn dann wieder: den Sellerie-vor-der-Nase-Wegschnapper. Soll sie, oder soll sie nicht, dachte sie. Ach egal. „Entschuldigen Sie, das klingt jetzt vielleicht etwas verrückt, aber ich glaube, wir kochen das gleiche“ Leicht verwirrter Blick auf der anderen Seite. „Lasagne?“, sagte da die Frau K. „Ja, stimmt“, sagte das Gegenüber. „Die Sache ist nämlich die“, setzte die Frau K. wieder an „sie haben mir sozusagen den letzten Staudensellerie vor der Nase weggeschnappt, als ich an den Möhren stand. Und als ich Sie hier am Hackfleisch wiedertraf dachte ich, dass man für Lasagne ja nur so ein, zwei Stangen Sellerie braucht. Können wir vielleicht teilen?“ Gut, das Gegenüber war etwas perplex, sagte dann aber: „Stimmt, Möhren brauch ich ja auch noch. Klar können wir teilen“ Es war also abgemacht. Man verabredete sich hinter der Kasse zu treffen um die Übergabe zu machen. Aber da man ja das gleiche kochte, also auch die gleichen Zutaten brauchte, lief man sich sowieso die ganze Zeit im Supermarkt über den Weg. Die Frau K. war dann aber doch etwas eher fertig und wartete hinter der Kasse. Von der Selleriebekanntschaft bekam sie dann drei Stangen Sellerie und konnte so ihre Lasagne kochen. Und ab und zu sieht man sich morgens in der Straßenbahn, lächelt sich zu, wechselt ein paar Worte, wünscht sich einen schönen Tag und freut sich über die netten Menschen, die es gibt.

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Brot - einfach(es) Brot

Vor kurzem bin ich zufällig über Frau Gröners Topfbrot-Bericht gestolpert - ich glaube, es war in ihrem wirklich(!) tollen (!!) Buch "Nudeldicke Deern". Ein Brot, das man erstmal einfach rumstehen lässt und das auch sonst nur wenig Arbeit macht, das fand ich spannend.

Zunächst scheiterte das "Projekt Topfbrot" an geeignetem Werkzeug im Hause Wordmountain, denn der auserkorene Topf weigerte sich standhaft, seine Griffe abzugeben...

Ein Besuch beim Discounter brachte die Lösung - ein neues Schraubendreherset und der Topf war fällig!

Gestern mittag habe ich also Mehl, Wasser, Salz und Trockehefe zu einem ziemlich klebrigen Pamps zusammen gerührt. Da es ja erstmal nur ein Probelauf sein sollte und ich nicht wusste, ob der nicht allzu große Topf auch ausreicht für 400 g Mehl, habe ich zunächst mal die Hälfte des Rezepts zubereitet.

Ca. 20 Stunden gewartet und heute einen ziemlich klebrigen Pamps auf den bemehlten Tisch gekippt. Ich hätte ja nicht gedacht, dass man das "Zeug" falten kann, aber: Es ist möglich!

Ofen samt Topf vorgeheizt auf 230°C - dann den Teig in den Topf "geschmissen" - Deckel drauf. Ca. 20 Minuten gebacken, dann den Deckel abgenommen (gar nicht so einfach ohne Henkel Wink) und noch ca. 15 Minuten weiterbacken lassen. Dann roch es schon sehr gut und die Kruste war auch schon hübsch gebräunt.

Und das ist das Ergebnis:


Von vorn.



Von innen.

Es ist nicht so wirklich ein Brot geworden, mehr ein überdimensioniertes Brötchen. Insgesamt hätte das Brot(chen) ruhig noch was länger backen können, denn es ist innen noch ein wenig feucht. Aber lecker isses und der Aufwand ist minimal. Nächstes Mal werde ich mich an einem ganzen Brot versuchen...

Für alle die, die wissen möchten wie chork nun aussieht...

Mir wurde da ein Foto anonym zugespielt. Daneben findet sich übrigens die recht geschmacklose rote Beete, für die kein Essig aufzutreiben war.

Kulinarische Abenteuer in Osteuropa

 

Ich war letztens in Russland. Genauer gesagt, in Moskau auf dem ICYB (International Congress of Young Booksellers) Der ist, wie der Name schon sagt, ein Internationaler Kongress für junge Buchhändler. Buchhändler bin ich, jung auch so einigermaßen, also packte ich meinen Koffer und flog 3 Stunden nach Osten.

Nun ist man als Kölnerin erstmal mittelmäßig überwältigt von dieser Riesenstadt. Köln sieht sich ja gerne als Millionenstadt. (Wir sind einwohnertechnisch geradesoeben drüber.) Moskau hingegen steht auf einem ganz anderen Blatt. Offiziell hat die Stadt 11 Millionen Einwohner, inoffiziell sind es wohl eher 20, wie mir verschiedene Moskauer versicherten. Das bringt 10-spurige Straßen (aus denen bei Bedarf auch mal 14 Spuren gemacht werden) und Vorstädte mit der Einwohnerzahl meiner Heimatstadt mit sich. Hier kann die Fahrt vom Flughafen schonmal drei Stunden dauern. Macht aber eigentlich nichts, wenn man genug Zeit hat. Schließlich gibt es links und rechts der Straße genug russische Klischees zu bestaunen (moderne Plattenbauten sind nicht zwangsläufig hübscher als die Alten), und die erste Gelegenheit das eigene Kyrillisch aufzufrischen.

Kasha mit Lebergulasch

Jetzt hat mich neben dem Austausch und dem Kongressprogramm vor allem das russische Essen interessiert. Immerhin bin ich Kochbuchhändlerin. Und esse gern. Ich war also seeeehhhhr gespannt.

Als Vorspeise am ersten Abend gab es „Russisches Ei“ in der Interpretation. Soll heißen: 2 Hälften knüppelhart gekochtes Ei garniert mit einem Klacks Majonnaise und Dosenerbsen. Zum Hauptgericht gab es riesige Reiskörner, die man mit der Gabel zu einer Art Mus zerdrücken konnte mit paniertem, gebratenem Schnitzel. Huhn, definitiv Huhn.

Das Frühstück am nächsten morgen hielt eine Art Omlette mit einer fragwürdigen Konsistenz, Nudeln, Würstchenstücke, Kasha milk (eine Art Porridge in Nicht-Lecker), etwas rosafarbenes Marmeladenartiges (das aber nur pappsüß schmeckte) und angetrocknetes Brot bereit. Alles für einen guten Start in den Tag.

Potpourri der Scheußlichkeiten

Gegen Mittag hing mir der Magen schon fast in den Kniekehlen. Gespannt eilte ich in Richtung Speisesaal und bekam: Zwei knüppelharte Eihälften in Brühe mit Dosenerbsen und zerkochte Nudeln mit paniertem Schnitzel. Schwein, definitiv Schwein. Warum ich so auf die gebratene Tierart poche? Nunja, ab dem dritten Tag konnte selbst ich nicht mehr identifizieren welches Tier da paniert und gebraten nebem dem zerkochten Reis/Nudeln/Buchweizen lag. Wir Kongressteilnehmer haben uns dann entschlossen das ganze „chork“ zu nennen. Eine Mischung aus Chicken und Pork. Ihr seht also, das Essen wurde einfach nicht besser. Vermutlicher Tiefpunkt war der Abend an dem es zermatschen Buchweizen mit zähem Lebergulasch gab und einer Teilnehmerin, die Vegetarierin war, erklärt wurde, dass Leber kein Fleisch ist. Oder vielleicht war es auch der Moment, als ich (durch die Dolmetscherin) nach Essig für meine Rote Beete fragte und mir mitgeteilt wurde, dass es in diesem Hotel keinen Essig gab? Ihr dürft gerne abstimmen.

Das Mantra der russischen Kongressteilnehmer („This has got nothing to do with real Russian food.“) wurde jeden Tag heftiger vorgetragen, aber auf uns Andere hatte es so gut wie keinen Effekt. Es prallte ab. Kommunikation per e-mail mit Freunden beschränkten sich meist auf die Sätze: „Der Kongress ist super, die Leute sind toll, das Essen ist eine absolute Katastrophe.“ Wir waren alle etwas geschwächt. Ich träumte von mehrgängigen Menüs und schickte meinem Mitbewohner eine Einkaufsliste. Ich wollte kochen.

Dann gingen wir aber mal auswärts essen und verstanden das Mantra. Es gab leckeren Borschtsch und schönen, körnigen Buchweizen mit einer rahmigen Sauce mit Pilzen und Fleisch. Es gab Soljanka, Kartoffelpüree mit Dill (überhaupt scheint Dill das beliebteste russische Kraut zu sein) und gebratenen Lachs.

Kasha in lecker

Am letzten Abend gab es dann ein Abschiedsbankett und hier wurde dann alles aufgefahren, was die russische Küche zu bieten hat.

Verschiedene Salate, eine Käseplatte, Hering in unzähligen Variationen, Scampi, Blinis mit Keta-Kaviar, und das waren erst die Vorspeisen. Zur Hauptspeise gab es dann gegrillten Fisch und Schaschlik. Verständlicherweise waren die Tischgespräche auf ein Minimum beschränkt. Man konzentrierte sich aufs Wesentliche. Wir waren das erste Mal richtig satt.

Bankett

Russland ist kein kulinarisches Niemandsland. Was unter anderem dieses wundervolle Buch zeigt. Den tollen Salat „Hering im Pelzmantel“ werde ich nächste Woche auch mal nachmachen. Und wer des Russischen mächtig ist, ich habe auch ein paar schöne Kochbücher mitgebracht. Insgesamt sollte man, meiner Meinung nach, nur ein paar Sachen wissen.

  1. Es gibt gefühlte 100.000 Schaschlikstände. Benutze sie.

  2. Kwass ist ein russischer Brottrunk und schmeckt ungefähr wie flüssiges Schwarzbrot.

  3. Dill sollte man schon mögen.

  4. „Posholsta“ heißt bitte. Und wenn man in der Metro auf jemanden gefallen ist sagt man „Iswiniedje“

Andere haben Urlaub, ich backe Brot (Teil 1)

Logbuch des Käptens, Sternzeit 5.5/apfel/26

Oh, da hab ich jetzt zwei Sachen in einen Topf geworfen. Und eigentlich ist dies auch kein Beitrag über die längsten Sci-Fi-Serien der Welt, sondern einer übers Brotbacken. Aber mein Brotbackwochenende lässt sich am besten in Form eines Logbuchs beschreiben.

Donnerstag so gegen 19h: Frau K. ist unruhig. Nirgendwo, so scheint es, ist in dieser Galaxie Stadt am Rhein Hartweizenmehl aufzutreiben. Nun gut, der Radius ist auch auf drei Geschäfte in Ringnähe beschränkt. Also geht Frau K. in den Bioladen, nahm 2 Pakete Hartweizen aus dem Regal, fragte nach wie fein man ihr das denn mahlen könne und ließ mahlen.

Freitag 11h: Vom russischen Konsulat und mit russischem Visum in der Tasche (bald geht’s für eine Woche nach Moskau) macht sich eine mitteljunge,vollbepackte, dynamische Buchhändlerin auf den Weg gen Norden. Im Gepäck befinden sich neben Klamotten, Büchern und Strickzeug (man muss ja irgendwie Klischees bedienen) auch 1kg vermeintliches Hartweizenmehl, 1kg Mehl Typ 1050, eine digitale Küchenwaage, 1 Liter Evian, 1 Würfel Frischhefe, 180g Gärhilfe (am Vorabend angesetzt), die Backbibel und Sascha, der Sauerteig den sie die letzten Wochen fleißig in ihrer Küche gezüchtet hat.

12.18h Ankunft am Bahnhof der Stadt die den beliebtesten OB der Republik und deren Fußballverein ein Abonnement auf Platz 7 in der zweiten Liga hat.

13.30h Das feierliche Karfreitagsmahl der Familie K. ist beendet. (Selbstverständl ich gab es Fisch)

14h Die mitteljunge, dynamische Buchhändlerin schnappt sich die Backbibel, geht in die Küche, nimmt die Gärhilfe aus dem Kühlschrank, das vermeintliche Hartweizenmehl aus dem Küchenschrank, Wasser, die Küchenwaage aus dem Koffer, Milch, Olivenöl, Hefe und Salz aus weiteren Schränken und macht sich ans Werk. Als erstes steht nämlich ein Olivenölteig auf dem Programm.

Das Mehl wird abgewogen, die Hefe hineingebröckelt und das Wasser hinzugegeben. Fünfmal mit dem großen Kochlöffel gegen den Uhrzeigersinn... Nein quatsch, einfach mit dem Kochlöffel gut verrühren. Schonmal Salz, Öl und Milch abmessen und die Knethaken in das neue Handrührgerät einspannen. Den Teig 10 Minuten stehen lassen.

14.12h Salz, Öl, und Milch zu dem Teig geben und 5 Minuten ausgiebig das Handrührgerät in den Teig halten.

14.29h Der Teig hat weitere 10 Minuten geruht. Jetzt kann die Gärhilfe zerpflückt werden und mit dem Handrührgerät wieder 5 Minuten lang unter den Teig gearbeitet werden.

14.32h Das Handrührgerät ist kaputt. Jetzt wird mit der Hand weitergeknetet. (Die Knetzeit verlängert sich automatisch)

14.34h Der Teig fühlt sich sehr rau an. Ich glaube das Mehl war dann doch mehr Grieß.

14.36h „Mmmh, was ist denn Sprühöl?“ Ich beschließe das einsprühen und einpinseln so ziemlich das gleiche ist und lege den Teig in eine leicht mit Öl eingepinselte Schüssel. Jetzt noch Frischhaltefolie drüber, die Küchenuhr auf 30 Minuten stellen und ab in den Garten.

15.09h Ich schrecke hoch. Mist, jetzt hab ich fast die Masche fallen lassen. Zwei Minuten, bis ich die Reihe fertig gestrickt habe wird der Teig ja wohl warten können.

15.11h „Den Teig abschlagen“ sagt das Buch. Aha. Moment, hier stehts doch. „Dazu den Teig auf der leicht bemehlten Arbeitsfläche mit den Händen zu einem Rechteck von 2,5 cm Dicke ausbreiten. Ein Drittel des Teiges zur Mitte hin falten und das gegenüberliegende Drittel darüberschlagen. Den Teig um 90 Grad drehen und erneut dreifach zusammenfalten“ Das krieg ich wohl hin. Und guck mal auf Seite 30 ist sogar eine Bild für Bild Anleitung. So, fertig. Zurück in die Schüssel Küchenuhr stellen und wieder ab in den Garten.

15.48h Ah, jetzt gleich müsste es... Jepp, da klingelt die Küchenuhr. „Ich geh eben rein und schlag den Teig ab“

16.25h s.o.

17.30h Der Teig hat eine weitere Stunde geruht. Jetzt geht es ans Portionieren. Küchenmesser raus. Einmal in der Mitte durch, jetzt sollten beide Hälten ungefähr 500g haben. St immt auch so in etwa. Von dem größeren Stück schneide ich getreu der Anleitung 180g ab. Als Gärhilfe für den nächsten Tag. Ich lege die Teigstücke auf ein Backblech und nehme das diesmal mit in den Garten. Der Teig soll jetzt nämlich an einem warmen Ort gehen. Und die Sonne scheint doch so schön auf den Südgarten

So richtig fluffig sehen die ja nicht aus. Mmhh, aber sie gehen auf. Mal schauen was das Backen bringt.

18.15h Der Ofen ist auf höchste Stufe vorgeheizt. Noch schnell zur Kontrolle einen Blick in die Backbibel werfen. „Den Garraum mit Wasser aus der Sprühflasche befeuchten“ Wo krieg ich denn jetzt ne Sprühflasche her? Ich kann doch schlecht ne alte Reinigerflasche nehmen. Zum Glück ist eine Friseurin im Haushalt. Wer also mal auf der Suche nach einer Sprühflasche ist, und die in der Gärtnerei zu groß und zu teuer sind, der findet im Friseurbedarf auch stylische und günstige Alternativen.

18.38h Das Backblech soll gedreht werden, damit die Brote gleichmäßig garen.

18.49h Fertig. Mein allererstes selbstgebackenes Brot.

19.20h Das Brot ist etwas abgekühlt und ich kann es endlich anschneiden.

Das Brot ist so mittelknusprig und es könnte etwas luftiger sein, aber die Krume ist schön locker und es schmeckt richtig gut. Trotzdem werde ich es morgen mal mit Mehl Typ 550 versuchen, da die Wahrscheinlichkeit am Niederrhein Hartweizenmehl zu erhalten wohl gegen Null tendiert.

23h Ich geh jetzt ins Bett. Die Backbibel werd ich wohl auf den Nachttisch legen.




 

Da kommt was Großes...

Manche Neuerscheinungen werfen ihre Schatten weit voraus. Demnächst auch bei uns erhältlich, zunächst in englischer Sprache: das Mammutwerk "Modernist Cuisine"  

Die Fakten: 

5 Bände

2438 Seiten

3216 Fotos

1522 Rezepte

20 kg

 

 

Haupt-Autor Nathan Myhrvold will damit die Küche und das Kochen revolutionieren. Alles, was zum Kochen gehört, wird unter die Lupe genommen und erklärt. Und mehr muss man dazu eigentlich auch gar nicht sagen - man muss es einfach sehen...  

Ende des Jahres erscheint das Werk übrigens auch in deutscher Sprache: *klick*

 

Sorry, aber Ostern fällt aus

 

Ich muss etwas gestehen. Es ist relativ ernst und mir auch ziemlich unangenehm. Mein Name ist Frau K., ich arbeite seit anderthalb Jahren in dem Kölner Kochbuchladen und schluck habenochniewasvonJamieOlivergekocht.

Nicht, dass ich eine Abneigung gegen ihn hätte. Ich habe auch schon viel Gutes über ihn gehört. Viele meiner Freunde sind von den Rezepten echt begeistert, aber es kam bislang noch zu keiner Zusammenarbeit zwischen uns beiden.

Jetzt gibt es seit ungefähr zwei Wochen das in England schon erfolgreiche „Jamie“-Magazin auch auf deutsch. Es liegt in dezentem Rosa auf der Theke und starrt mich an, ja verleitet gerade zum Durchblättern. Das Heft ist komplett durchgestylt, eben wie die Jamie Kochbücher auch und macht Lust auf Nachkochen. Bei einem Rezept hatte er mich dann: Lemon Ripple Tart – Marmorierte Zitronen Tarte. Gut, das Heft musste mit.

Beim Schreiben meiner Einkaufsliste war ich dann aber etwas schockiert. Man braucht unter anderem 13 Eier und 1 Pfund Butter. wow Dafür musste ich in Etappen einkaufen gehen. Erst die Butter,1,5 kg Zitronen und Himbeeren, später dann 20 Eier und ein Kilo Zucker.

Am Abend machte ich mich dann frisch ans Werk. Mehl, Puderzucker und gewürfelte Butter mit meinem Pastry Cutter bearbeiten, Eier mit Milch verklappern, untermischen, gut durchkneten, Frischhaltefolie drum und ab in den Kühlschrank.

Dann wurd ich bekocht. Insofern machte ich mich erst sehr spät an die weitere Zubereitung. Der Teig ließ sich wirklich wunderbar ausrollen. Er war sehr schön elastisch und riss gar nicht. Als ich allerdings die gewünschte Stärke von 5mm erreicht hatte, konnte ich meinen Küchentisch nicht mehr sehen. Selbst nachdem ich den Teig in die Form gebracht hatte (Was wirklich sehr einfach war), ragte er noch ungefähr 15cm an jeder Seite über. Ich habe den überstehenden Teig mal abgeschnitten, durchgeknetet und eingefroren. Das reicht locker noch für ne zweite Tarte.

Beim Blindbacken stellte ich dann fest, dass der Teig sich stark zusammenzieht. Das nächste Mal werde ich wohl die Ränder etwas weiter überstehen lassen.

Jetzt ging es an die Lemon Curd. Die Bio-Zitronen habe ich heiß abgewaschen und abgetrocknet, dann abgerieben und ausgepresst. Aus Platzgründen hatte ich die Zitronenarmee vorher um meinen Wasserkocher gruppiert. Dazu ein Kommentar meiner Mitbewohnerin: „Oh, guck mal wie süß sich die Zitronen um den Wasserkocher tummeln. Als ob er ihre Mami wär.“ Ähh – ja. Wenn du meinst :)

5 Zitronen brachten die erforderliche Menge auf. Herr Oliver empfiehlt die Zutaten (Zucker, Vanillemark, Zitronensaft und-schale, 5 Eier und 6 Eigelb) in einen schweren Topf zu geben. Mein schwerster Topf ist kupferbeschichtet und fasst ungefähr zwei Liter. Bei milder Hitze schlug ich die Eiermasse dann auf. Und schlug und schlug. Und schlug. Arcade Fire waren inzwischen schon zum zweiten Mal in Haiti angekommen und die Eimasse machte immer noch keine Anstalten dick zu werden. Jetzt reichts, dachte ich mir, nahm meine Metallschüssel, einen Topf mit heißem Wasser und schlug über dem heißen Wasserbad weiter. Das war auch nur mäßig erfolgreich. Dann dachte ich: „Was solls“ und nahm den Fünf-Liter-Topf aus dem Regal. Und siehe da: nur zehn Minuten später dickte die Eimasse etwas ein. Das wurd auch langsam Zeit, mein Arm fühlte sich schon wie Pudding an. Oh, verflixt. Jetzt musste noch ein zimmerwarmes halbes Pfund Butter untergeschlagen werden. Das große Rühren ging also weiter.

Mein Rat an euch: Nehmt direkt den Fünf-Liter-Topf.

Währendessen kochten auf der hinteren Herdplatte lustig Himbeeren mit einem EL Zucker vor sich hin.Da brauchte ich mich zum Glück nicht weiter drum zu kümmern. Gelegentlich mal umrühren, und wenn das Ganze die Konsistenz von Marmelade hat, in ein Schraubglas füllen.

Gegen ein Uhr heute morgen war ich mit der ganzen Geschichte fertig, die Lemon Curd stand zum Auskühlen auf dem Küchentisch und ich ging ins Bett.

Heute morgen habe ich dann erst meinen Sauerteig gefüttert (Nein, keinen Hermann. Ein Projekt aus der Backbibel. In Kürze erfahrt ihr mehr) und dann die Lemon Curd passiert, damit die Zitronenschale da raus kommt. Den Bausatz noch schnell in den Rucksack und hinaus in die Sonne.

Da diese Tarte geschätzte 8 Milliarden Kalorien hat (wir erinnern uns an 13 Eier, 1 Pfund Butter und über 1/2 Pfund Zucker) bin ich dann heute auch mal mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Aber es hat sich gelohnt. Allerdings habe ich den Weltvorrat an Eiern verbraucht, deswegen muss Ostern leider ausfallen. Sorry. Ich hab wohl noch genug Teig, Lemon Curd und Himbersauce für eine zweite Tarte, falls jemand auf Eier-Entzug ist.

 

Jetzt gibt's Streicheleinheiten

 

Neulich haben wir unser Sortiment ja mit einer Wand voller Gewürze aus dem "Alten Gewürzamt" erweitert haben, wurde jetzt eine weitere Wand mit genussvollen Gläsern bestückt.

Ab sofort zieren die "Streicheleinheiten" aus Gerry's Garden unseren Laden. Wer immer schon mal ein "Basilikum-Schokoladen-Pesto" auf seiner Pasta oder einen "Himbeer-Thymian-Fruchtaufstrich" auf dem Frühstücksbrot probieren wollte, der kann sich jetzt bei uns austoben...

Es gibt Pestos und Pürees und auch Fruchtaufstriche und noch mehr... Und unsere Frau S. hat jetzt den besten Arbeitsplatz von allen!

 

Klischees

Die Mrs. Wordmountain und ich waren in letzter Zeit ja arg beschäftigt. In quasi jeder freien Minute klapperten bei uns die Nadeln. Wir wollten ja ein besonders schönes Cupcake-Fenster machen. Und jetzt ist es endlich vollbracht. Unser Cupcake-Fenster ist fertig. Ja, wir tragen das Klischee der backenden, strickenden, häkelnden Buchhändlerinnen in die Welt. Irgendwer muss es ja tun. Nach Karneval ziehen Mrs. Wordmountain auch los und kaufen uns Faltenröcke und Hornbrillen. Außerdem lassen wir uns die Haare wachsen, damit wir endlich einen Dutt tragen können. Und wer dann bei uns nach Kochbüchern, die "unter unserer Würde" sind, wird gnadenlos ausge"tz"t. Klischees sind doch was feines. Aber das Fenster sieht wirklich toll aus.

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Cupcakes | Kurioses

Sind wir denn noch Freunde? - Mein Abend mit Olli

 

Ich habe es wieder getan, ich habe gebacken. Irgendwie wurden in meinem Umfeld schon die Stimmen "Du hast aber schon wirklich lange nichts mehr gebacken“ laut und, na ja, ich kann halt schlecht Nein sagen.

Es bestand der Wunsch nach Käsekuchen, und der liebe Herr Brachat hat in seinem Cupcake Buch auch ein schönes Rezept in petto. Es gab also

New York Cheese Cupcakes

(von Seite 60)


Der Einkaufszettel war diesmal so mittellang, wobei eine gut ausgestattete Küche eigentlich fast alle Zutaten auf Vorrat hat. Ich brauchte: Zwieback, Frischkäse, Sahne, Bio-Zitronen, 1 Vanilleschote, Himbeeren und Gelierzucker 2:1. Butter, Puderzucker, Milch, Eier, Speisestärke und Salz hatte ich noch zuhause.

Gestern abend machte ich mich dann frisch ans Werk. Zuerst musste ein rundes Behältnis gefunden werden, das im Durchmesser mit dem Durchmesser der Vertiefung meines Muffinbleches korrespondiert. Gut, das ging schnell, schon der erste Versuch war ein Treffer. Es sollten nämlich Kreise aus Backpapier ausgeschnitten werden, die unten in dem Muffinblech Platz finden sollten. Ich fühlte mich dann auch etwas an die sonntäglichen Bastelvergnügungen im Hause K. erinnert. Nachdem die Bastelstunde beendet war, habe ich schon mal den Backofen auf 180°C vorgeheizt, etwas Butter in 8 der zwölf Vertiefungen gegeben und das Blech in den Ofen geschoben. Sobald die Butter geschmolzen war, habe ich die Backpapierkreise verteilt und das Blech in den Kühlschrank gestellt, damit die Butter wieder fest wird und das Backpapier schön festklebt.

In der Zwischenzeit ging es rabiat zu Gange. Es galt den Zwieback mit dem Nudelholz zu zerbröseln. Und dann... dann.... dann... wurde ich traurig. Der zerbröselte Zwieback sollte mit einem Esslöffel Puderzucker und zwei Esslöffeln Butter vermischt werden. Esslöffel? Was sind denn das für Mengenangaben? Und außerdem: soll die Butter kalt sein oder warm? Die Chemikerin in mir schrie in diesem Moment laut auf. Ja, Chemikerin. Auch wenn von meinem Chemieabitur nur die etwas seltsame Angewohnheit übrig geblieben ist, Messbecher beim Abmessen immer auf Augenhöhe zu halten und tja, mich eben über ungenaue Mengenangaben bei Backrezepten zu echauffieren, irgendwo ist sie versteckt.

Sind der Herr Brachat und ich jetzt keine Freunde mehr? Doch schon, auch wenn mich dieses Rezept noch zwei weitere Male in helle Aufregung versetzt hat. Aber immer der Reihe nach.

Ich habe mich für warme Butter und gehäufte Esslöffel entschieden und alles mit meinem bereits hier vorgestellten Pastry Cutter zu was Teigähnlichen verarbeiten. Dieser „Teig“ wurde dann ähnlich wie bei den Apfel-Streusel-Cupcakes in die Formen verteilt und festgedrückt. Jetzt sollte der Teig für etwa zehn Minuten in den Ofen. Ja, etwa. Mein Chemikerherz verzweifelte ein zweites Mal. Ich weiß ja, dass Backöfen launisch sind und jeder da so seine Eigenarten hat (Der Schokokuchen von Alain Ducasse zum Beispiel braucht bei Alain Ducasse 90 Minuten. Mein alter Backofen schaffte den Kuchen bei gleicher Gradzahl in 45 Minuten) In meinem Ofen verweilten die Böden 9 Minuten und 12 Sekunden als mir auffiel: „Die sehen aber schon ziemlich dunkel aus.“ Also raus damit, das Thermostat auf 100°C runtergedreht und die Backofentür so lange aufgelassen, bis 100°C erreicht waren.

In der Zwischenzeit, habe ich Frischkäse, Milch, Sahne, 1 Ei, Zucker, Speisestärke, 1 Prise Salz, Zitronenschale und –saft in eine Rührschüssel verfrachtet. Dazu sollte komme ½ Vanilleschote. Lieber Herr Brachat, ich nehme doch an, dass Sie das Mark einer halben Vanilleschote meinen. Oder wie sollte ich die Vanilleschote sonst in die Käsemasse bekommen? Aber vier Seiten weiter, beim Rezept für die Trüffel-Cupcakes steht: „½ Vanilleschote, ausgekratztes Mark“ Warum da und nicht hier? Fragen über Fragen. Aber gut, lassen wir das an der Stelle. Ich wollte es nur mal erwähnt haben.

Alle Zutaten inklusive Vanillemark wurden verrührt und waren am Ende ziemlich flüssig. „Na, wenn das mal gut geht“, dachte ich mir und schob die befüllte Muffinform vorsichtig wieder in den Ofen. Nach 25 Minuten sollen sie dann vorläufig wieder raus und der Ofen wieder auf 170°C hochgeschaltet werden. Gesagt, getan. Irgendwann habe ich die halbwegs aufgetauten TK-Himbeeren (frische um diese Jahreszeit geht mal gar nicht) mit Zitronenschale und Gelierzucker in einen Topf geschmissen und das Beste gehofft. Dann hatte der Ofen 170°C und die Cupcakes sollten 10 Minuten fertig gebacken werden. „Sie sollten leicht Farbe angenommen haben.“ Was soll ich sagen: Pustekuchen. Nach zehn Minuten waren die Cupcakes immer noch, na ja, gelb. Auch nach 13 Minuten waren sie das. und nach 15 Minuten und auf Umluft umgeschalteten Ofen. Und nach 18 Minuten und mittlerweile 190°C. Nach zwanzig Minuten habe ich eine leichte bräunliche Färbung an einem Cupcake ausmachen können und das Blech aus dem Ofen gezogen.

Die Himbeeren blubberten im Topf fröhlich vor sich hin und sollten nun püriert werden. Also, Pürierstab rein. Kurze Pause damit der Pulli direkt in der Badewanne ausgewaschen werden kann, weil Himbeerflecken so verdammt schwer raus gehen. T-Shirt angezogen, was ich sonst zum Streichen anziehen und weiter pürieren. Die noch heiße Sauce habe ich dann mühevoll durch ein kleines Haarsieb gestrichen. Warum mühevoll? Die Öse hat sich mal verabschiedet und jetzt besitzt dieses Sieb die unpassende Angewohnheit im denkbar dämlichsten Moment (ich kratze grad den Topf aus) in die Schüssel zu plumpsen. Ich habe dann die Sauce in Gläser abgefüllt und die Küche geputzt. Und die Nacht über die Küche hereinbrechen lassen. 

Heute morgen dann war es soweit. Die Cupcakes waren ausgekühlt und ließen sich mit dem vorgeschlagenen kleinen Küchenmesser auch ganz hervorragend aus der Form lösen. Und das Ergebnis kann sich sehen und schmecken lassen. Ja, der Herr Brachat und ich sind noch Freunde.